Paramente

Engel in Farmsen

Altarbild der Erl├Âserkirche

Ragna Sperschneider

 Kanzel- und Altart├╝cher (Paramente) in der Erl├Âserkirche (Farmsen)
( Texte von Pastor K├╝hl und J├╝rgen Wulf, Fotos J├╝rgen Wulf ; Aufbereitung f├╝r Homepage Manfred Schmelmer )

Die Paramente

Im Jahre 1998  erhielt die Quilt- und Patchwork-K├╝nstlerin Magrit Kopf aus Hamburg Langenhorn den Auftrag zur Herstellung neuer Paramente. Die alten Paramente erschienen dem Kirchenvorstand zu dunkel und f├╝r den neu gestalteten Kirchenraum nicht mehr passend.

Schon im Dezember 1995 hatte sich der KV mit Paramentenentw├╝rfen verschiedener Werkst├Ątten befasst, konnte sich mit ihnen aber nicht anfreunden. 1995 hatte der Chronist die Arbeiten von Magrit Kopf (geb. 1947) in einer Ausstellung gesehen und war von ihrer farblichen und gestalterischen Qualit├Ąt sehr beeindruckt. 

Am 14.1.97 stellte die K├╝nstlerin ihre Arbeiten dem KV in der Kirche vor und erhielt den Zuschlag.  Pastor Wolfgang K├╝hl  erarbeitete mit ihr das Programm. Die Paramente sollten Motive des Raumes aufnehmen, insbesondere der Fenster, und es sollte das Kreuz in ihnen wiederkehren. Frau Kopf fertigte zus├Ątzlich zu den Paramenten auch die dazugeh├Ârigen Beh├Ąnge f├╝r die Kanzel und die Schals f├╝r den neuen mobilen Altar im Zentrum der Kirche.

Die neuen Antependien wurden von der Gemeinde mit Begeisterung aufgenommen. Der Kirchenraum hatte durch seine Umgestaltung 1994 einen sehr k├╝hlen Farbeindruck erhalten, der vielen Gottesdienstbesuchern Unbehagen bereitete. F├╝r die neuen farbkr├Ąftigen Altarbeh├Ąnge aber ist  diese

Farbgebung genau der richtige Hintergrund um ihre Leuchtkraft wie ein Edelstein zur Geltung zu bringen.  Sie bringen Heiterkeit und eine festliche Stimmung in den Raum.

Pastor K├╝hl
 hat seine Gedanken zu den neuen Paramenten auf der Website der Gemeinde niedergelegt:

 

Gedanken zum roten Parament
 der K├╝nstlerin Magrit Kopf

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ÔÇ×Rot“ das ist Liebe, Leidenschaft, W├Ąrme, Kraft, Tat, Bewegung, Wut, Revolution, ÔÇ×Blut, Schwei├č und Tr├Ąnen“, ist Heiliger Geist, Begeisterung, ÔÇ×Feuer und Flamme“, Bekenntnis, Opfer, Martyrium.

ÔÇ×Rot“ steht im Laufe des Kirchenjahres f├╝r die Ausgie├čung des Heiligen Geistes und wird zu Pfingsten gezeigt. Es ist aber auch die Farbe f├╝r die Kirche und Gemeinde und besondere Feste. Und ÔÇ×Rot“ wird an den Gedenktagen der Heiligen, der Vorbilder im Glauben und M├Ąrtyrer, also derer, die f├╝r ihren Glauben ihr Leben gelassen haben, gezeigt.

Das Parament wird von einem Feuer, einer lodernden Flamme beherrscht. Sie zerteilt sich in viele Feuerzungen, oder ergeben die vielen Feuerzungen erst die eine Flamme? Vom Feuer geht ein Fl├Ąchenbrand aus. Alles ist rot vor Glut. Glut auch unter der Asche. Das Feuer ist nicht zu ersticken . Es brennt, es lodert, es w├Ąrmt, es leuchtet. Es brennt in mir und in dir. Ich bin Feuer und Flamme, ich bin  begeistert, bekomme Mut und Kraft.

Das Feuer macht lebendig. Das Feuer verformt das Kreuz. Seine Balken - auf dem Parament kaum zu sehen - sind verbogen, verzogen nach oben, gen Himmel gerichtet. Das Feuer des guten Geistes, der mit Jesus in die Welt kam, erweckt zum Leben aus Tod und Erstarrung, zur Hoffnung aus Resignation und Verzweiflung, zum Glauben aus Sinnlosigkeit und Gleichg├╝ltigkeit, zur Liebe aus Ha├č und Gewalt.

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Die wei├čen Paramente werden in der Kirche zu den Christusfesten gezeigt:
Weihnachten (Geburt Christ) bis zum 6. Januar, Gr├╝ndonnerstag (Stiftung des Abendmahls durch Christus) Ostern (Auferstehung Christi) bis Himmelfahrt, Tag der Dreieinigkeit Gottes (1. Sonntag nach Pfingsten) Ewigkeitssonntag (Wiederkunft Christi).

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Die Farbe Gr├╝n wird in der Kirche in der festlosen Zeit, aber auch zum Erntedankfest gezeigt. Gr├╝n steht im allgemeinen f├╝r die Hoffnung; es ist aber auch die Farbe der Natur, der Sch├Âpfung, des Wachsens und Werdens, des Lebens.

Magrit Kopf hat ihre Gestaltung des gr├╝nen Paramentes so erl├Ąutert:

Die norddeutsche Landschaft mit ihren B├Ąumen findet sich darin und die intensiven Farben der Glasfenster. Davor der Regenbogen: Einerseits der aus dem Kirchenbau aufgenommene Parallelbogen, aber auch - und wichtiger noch - das Symbol des Bundes zwischen Gott und den Menschen nach der Sintflut (1. Moses 9, 13) und das zarte, wei├če Kreuz als Hinweis auf Christus, der diesen Bund erneuert hat durch seinen Tod

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Violett steht im Laufe des Kirchenjahres, das mit dem 1. Advent beginnt, f├╝r die Zeit oder Tage des Nachdenkens, der Besinnung, der Bu├če. Es ist die Farbe, die in der Passionszeit gezeigt wird, in der Christen den Leidensweg Jesu bedenken. Es ist die Farbe, die in der Vorweihnachtszeit gezeigt wird, Vorbereitung auf das Christfest, die Geburt Jesu, das Kommen Gottes in diese Welt.

Es ist die Farbe der Bu├če, der Vergebung, der Vers├Âhnung, der Umkehr, des Neubeginns.

In dem nachstehenden “Flash Film “ der   Detailaufnahmen wird die Delikatesse und Pracht dieser Patchworkarbeiten deutlich.

Sollte die Animation auf Ihrem PC nicht angezeigt werden k├Ânnen, oder haben Sie den Wunsch, einen zusammenh├Ąngenden Bericht ├╝ber die Paramente zu erhalten, so laden Sie sich hier die entsprechende
 pdf.Dokumentationen herunter.

 

 

 

Engel in Farmsen
- Die Rethmeier Bilder -

Im gro├čen Saal des Farmsener Gemeindezentrums h├Ąngen zwei gro├čformatige Gem├Ąlde des Holsteinischen K├╝nstlers Henning Rethmeier mit den Bezeichnungen ÔÇ×Throne“ und ÔÇ×Lunar Pitris“, beides Namen f├╝r unterschiedliche Engelsch├Âre.

Er hat sie 1998 der Gemeinde  als Leihgabe ├╝berlassen und seitdem erfreuen sie mit ihrer ├╝berw├Ąltigenden Farbigkeit die Besucher.

Diese Bilder verweisen auf die g├Âttliche Trinit├Ąt.

Throne03Wenn ich das so behaupte, ist mir nat├╝rlich bewusst, dass jede Interpretation eines Kunstwerks immer nur subjektiv sein kann. Aber es zeichnet ein Kunstwerk aus, dass es Empfindungen weckt und etwas vermittelt, was mit Worten nicht zu fassen ist.

Der erste Eindruck, den die Rethmeier-Bilder vermitteln, ist der von ausufernder, dramatisch-explodierender Farbigkeit. Aus einem dunklen Schwarzblau bricht ein strahlendes Glutrot bzw. sonnendurchflutetes Gelb hervor. Die schwelgerischeLunar-Pitris03 Farbf├╝lle l├Ąsst einen zun├Ąchst gar nicht bemerken, dass die Bilder ungegenst├Ąndlich sind - genauso ungegenst├Ąndlich wie etwa eine verwitterte Putzfl├Ąche an einer alten Hauswand oder aber wie Wolkenformationen, in deren st├Ąndig wechselnden Formen und Strukturen wir uns oftmals tr├Ąumend verloren haben und die unserer Phantasie so viele Ankn├╝pfungspunkte vorgeben, aus denen wir dann unsere eigene Gedankenwelt entstehen lassen k├Ânnen.

Henning Rethmeier gibt uns mit den Titeln ÔÇ×Throne“ und ÔÇ×Lunar Pitris“ einen Hinweis darauf, wie seine Bilder aufzufassen sind, n├Ąmlich der Welt der Engel zugeh├Ârig,

Der Himmel mit seinen Wolken ist von altersher als der Ort angesehen worden, an dem sich die Engel aufhalten. Einer rationalen Pr├╝fung h├Ąlt diese Vorstellung nat├╝rlich nicht stand, aber sie kommt unserer sinnlichen Erfahrung am n├Ąchsten und wird von K├╝nstlern aller Jahrhunderte immer wieder aufgegriffen. Auch Henning Rethmeier macht hier keine Ausnahme. Aber indem er Gegenst├Ąndliches nahezu ausblendet, macht er es uns leichter, uns auf die geistige Dimension des Heilsgeschehens zu konzentrieren

Die Throne kennen wir aus der Abendmahlsliturgie, wo es in der Pr├Ąfation hei├čt:

    ÔÇ×Wahrhaft w├╝rdig und recht, billig und heilsam ist┬┤s, dass wir Dir, heiliger Herr, allm├Ąchtiger Vater, ewiger Gott, allezeit und allenthalben Dank sagen durch Jesus Christus, unseren Herrn.

    Darum mit allen Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herrschaften und mit dem ganzen himmlischen Heere singen wir Deiner Herrlichkeit einen Lobgesang und bekennen ohne Ende….“

Die Throne bilden, wie ihr Name sagt, Gottes Trohn, befinden sich also in Seiner unmittelbaren N├Ąhe und stehen nach traditioneller Auffassung sehr hoch in der himmlischen Hierarchie.

Bei den Lunar Pitris handelt es sich um die unterste Stufe der Engelhierarchie. Es sind dies die pers├Ânlichen Schutzengel, die jedem Menschen als geistige F├╝hrer zugeordnet sind. Rethmeier verwendet hier eine Bezeichnung aus der Anthroposophie Rudolf Steiners.

Alle Bilder von Gott und seinen Engeln sind immer nur Hilfsmittel, um Unaussprechliches verstehbar zu machen. So wie alle Heiligen in ihrer Verschiedenartigkeit nur die unterschiedlichen Aspekte des einen Gottes beleuchten und auf Ihn verweisen, so sind alle Engel nur ein Hinweis auf den Einzigen und Seine Glorie. Die Vorstellung von Engeln als gefl├╝gelten Wesen ist ein Versuch, zu  zeigen, dass Gott zur gleichen Zeit hier bei uns und genauso auch an einem ganz anderen Ende der Welt gegenw├Ąrtig ist. Unsere Vorv├Ąter stellten uns das Bild der V├Âgel vor Augen, die - schnell, wie der Wind - den Ort wechseln k├Ânnen. Und so hatten die Engel eben Fl├╝gel. Heute w├╝rde man vielleicht das Bild einer Laserkanone oder eines Elektronenbeschleunigers w├Ąhlen, um Gottes Allgegenwart zu umschreiben.

Aber wie kann man in unserer von den Naturwissenschaften gepr├Ągten Zeit denn zum Beispiel Auferstehung und Himmelfahrt glaubhaft beschreiben? Wie macht man die Glorie Gottes deutlich?

Im Mittelalter w├Ąhlten die K├╝nstler daf├╝r den Heiligenschein oder den Goldgrund der Altarbilder, um das Unsagbare darzustellen. Im Islam versucht man, sich der Unbegreiflichkeit Gottes mit Hilfe der tausend Namen Allahs anzun├Ąhern, genauso wie wir Christen Ihn mit unendlich vielen Namen belegen, die Seine Unermesslichkeit umschreiben sollen, wie zum Beispiel: Sch├Âpfer, Weltenrichter, Ern├Ąhrer, Tr├Âster, Vater.

Rethmeier unternimmt es, indem er Licht und Farbe einsetzt.

Das wei├če Licht im Zentrum unserer Bilder steht f├╝r die Herrlichkeit Gottes. Mit der Entfernung von Gott verst├Ąrkt sich die Dunkelheit bis hin zum furchterregenden Schwarz des H├Âllenschlundes.

Erinnern wir uns dabei an den Isenheimer Altar von Mathias Gr├╝newald, in dem das Gesicht des Auferstandenen in dieisenheim3%5B1%5D02 Mitte eines Lichtballes gesetzt ist. Auch hier wird mit den ├Ąrmlichen Mitteln der Farbe versucht, eine Vorstellung von der verheeren Wirkung eines Lichtblitzes zu vermitteln. Die Vergeblichkeit dieses Bem├╝hens war dem gro├čen Gr├╝newald bewusst und so stellte er die Auswirkungen gleich mit dar: die Macht dieser Erscheinung rei├čt die W├Ąchter des Grabes von ihren F├╝ssen und wirft sie zu Boden. So wird verdeutlicht, wie unertr├Ąglich der Anblick Gottes sein muss.

In unserem Bild ÔÇ×Throne“ entwindet sich eine vogel├Ąhnliche Struktur einem feurigen Vulkanschlund, eine wei├če Aura  wie eine Schleppe nach sich ziehend. Es dr├Ąngt sich die Assoziation eines Ph├Ânix` auf, des sagenhaften Vogels der Antike, der sich zum Sterben in das Feuer st├╝rzt, um danach neugeboren aus der Asche wieder aufzusteigen. Im fr├╝hen Christentum war er ein h├Ąufig verwendetes Symbol f├╝r den Auferstandenen. Und so sehe auch ich dieses Bild als einen Hinweis auf die Auferstehung.

H.Bosch02Auch in dem zweiten Bild ÔÇ×Lunar Pitris“ l├Ąsst sich ein Vogel ausmachen. Hier fliegt er aus dem tobenden, dunklen Gebr├Ąu ins verhei├čende Licht eines Wolkenlochs. Ist es Noahs Taube, die nach dem Abflauen des verheerenden Unwetters wieder rettendes Land findet? Oder ist es unser Seelenvogel, unser Schutzengel, der uns den Weg weist aus der angstvollen Bedr├Ąngnis unseres irdischen Daseins hin zum Licht der Erl├Âsung, zur Herrlichkeit Gottes?

Auch hier dr├Ąngt sich mir eine Entsprechung in der Altarbildmalerei der Renaissance auf: Hieronymus Bosch zeigt in einem Altarfl├╝gel des J├╝ngsten Gerichts, wie die Seelen der Gesegneten von den Engeln zur Herrlichkeit Gottes geleitet werden. Ein unwiderstehlicher Sog ist es bei Bosch wie bei Rethmeier, der uns sehnsuchtsvoll in dieses wei├če Licht zieht, hin zum Einswerden mit Gott am Ende unserer Tage.

Ich bin ├╝berzeugt, dass diese Bilder mit ihrer verhei├čungsvollen Aussage uns bei unseren kommenden Aufgaben erfreuen und st├Ąrken werden.

 

 

Betrachtungen zum Altarbild der Farmsener Erl├Âserkirche
von J├╝rgen Wulf

Zum Altarbild der Farmsener Erl├Âserkirche
Das 3m x 1,50m gro├če Bronzerelief hat den Titel  ÔÇ×Christus mit ausgebreiteten Armen“.
Es stammt  von Robert M├╝ller-Warnke (geb. 1915), einem Sch├╝ler  von Gerhard Marcks.

Altar-Erl├ÂserkircheUnser Altarbild wurde zusammen mit der Kirche am 6.11.1960 geweiht und hat der Kirche ihren Namen gegeben . Es zeigt einen nach links gewendeten Christus, von dem nur der Oberk├Ârper, nicht aber die H├Ąnde zu sehen sind. Der Bildhintergrund ist dreigeteilt: links oben ein Strahlenb├╝ndel, das vom Kopf ausgeht;   rechts  eine diagonale Struktur von links oben nach rechts unten;   links unten eine waagerechte Struktur.

Zwischen dem Christus-Torso und dem Bildhintergrund tun sich tiefe Gr├Ąben auf.

Das Relief ruht auf zwei in die ÔÇÜAltarwand eingelassenen Konsolen, die ihrerseits auf einem Sockel  aus braunem Muschelkalk liegen, der aber weitgehend vom Altarstein aus schwarzem Terrazzo  verdeckt wird.madonna

Das Altarbild ist rahmenlos.

Wenn man die Gesetzm├Ą├čigkeit des Davor oder Dahinter ausblendet, kann man das Ensemble von Altarwand und Altarbild auch so sehen, dass sich in der Altarwand ein Fenster er├Âffnet, das uns ausschnittsweise einen Blick freigibt in eine jenseitige, geistige Welt. So wie bei der Sixtinischen Madonna von Rafael der Vorhang sich nur f├╝r einen Moment ├Âffnet und uns den Blick in das himmlische Geschehen freigibt. So wie sich die Gotteserkenntnis uns nur in k├╝rzesten, gl├╝ckhaften Momenten offenbart.

Dieses Relief ist ein Mysterienbild, denn es enth├Ąlt ganz zeichenhaft und aufs ├äu├čerste reduziert  Aussagen des christlichen Glaubens, die sich dem Betrachter erst nach l├Ąngerer Bem├╝hung erschlie├čen und die zur Meditation einladen.

 

1. Ein Karfreitagsbild

Viele, die dieses Relief zum ersten Mal erblickten, waren erschrocken, vielleicht sogar unangenehm ber├╝hrt durch diese gnadenlose, wie im Zoom vergr├Â├čerte Nahaufnahme von Schmerz und Qual. Ein l├Ąnglich-blockhafter Kopf, ├╝berdimensioniert und grobschl├Ąchtig, mit  harten Kanten und deformierender Stirnfalte. Die Augen halb geschlossen, als bereite es M├╝he, den Blick zu heben, der Mund leicht ge├Âffnet, die Mundwinkel kraftlos nach unten gezogen, so sehen wir vor uns einen t├Âdlich Ersch├Âpften, der das Ende der Qualen erreicht hat.

Die Arme sind in den Schultern eigenartig verrenkt, so dass selbst das blo├če Hinschauen die Schmerzen der Tortur sp├╝rbar werden l├Ąsst. Sind sie durch die Falten eines Gewandes verh├╝llt oder haben wir hier das Marterholz direkt vor uns,  zerhackt und zerbrochen?

Nichts ist geblieben von den edlen Z├╝gen des Gottessohnes, die uns in den Kreuzigungsdarstellungen vergangener Jahrhunderte die Ann├Ąherung an das Passionsgeschehen so sehr erleichtert hatten. Darf man Ihn so darstellen? Zwischen den altvertrauten und liebgewordenen  Bildwerken fr├╝herer Zeiten und der Entstehung dieses Reliefs liegen jedoch zwei schreckliche Weltkriege, deren Grauen und unendliches Leid eine Wiederaufnahme alter Bildmuster unm├Âglich machten.

AugeDoch warum hat die Augenbraue in der Mittelachse des Bildes diese eigenartige Form? Es sieht aus wie ein Dreieck. Wir erinnern uns, dass das Dreieck seit dem Mittelalter als ein Zeichen f├╝r Gott eingesetzt wurde, sehr oft auch umschloss es ein Auge – ein K├╝rzel f├╝r die Allgegenwart des Herrn. ÔÇ×Wohin soll ich fliehen vor Deinem Angesicht?“ hei├čt es in Psalm 139,7, oder  “..vor seinen Augen ist nichts verborgen(Sir 39,24.; Mt 6,4).

In der angehobenen Braue sehen wir das Zitat dieses uralten Zeichens, das uns sagt: Gott direkt blickt dich an in diesem Leid und Elend. (ÔÇ×Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Br├╝dern, das habt ihr mir getan“  Mt.25 ,40 )

Aus den Evangelien wissen wir, dass im Leiden und im Mitleiden eine entscheidende DurchgangsphaseDSC0206402 zur Erl├Âsung hin angelegt ist. Der verlorene Sohn erkennt erst im Elend der selbstverschuldeten Verbannung sein Unrecht. Erst als er im Leiden auf sich selbst zur├╝ckgeworfen ist, macht er Erfahrungen und gewinnt Erkenntnisse, die ihm die Augen ├Âffnen f├╝r sich selbst, seine Mitmenschen und seine Umwelt. Und so verstehen wir auch, dass Erl├Âsung nicht erst nach dem Tode zu erwarten ist, sondern dass im Leiden und Mitleiden schon hier und jetzt ein Einswerden mit Gott m├Âglich ist.

Die H├Ąrte dieses Bildes aber l├Ąsst uns verstehen, wie unerreichbar dem reichen J├╝ngling (Mt 19,16) die Nachfolge Jesu in aller Konsequenz erscheinen musste und warum die Umsetzung der Bergpredigt
(Mt 5,1) (Lk 6,20-49) seinen J├╝ngern bis heute nicht gelingen will.

 

2. Ein Osterbild

Christusbild

 Im Mittelpunkt unseres Bildes liegt - grob, unf├Ârmig und schwer wie ein Felsblock - der Kopf,  wie ein Findling auf dem Acker.  Dazu dr├Ąngt sich uns der Ausruf  des Psalmisten (Ps. 118, 22)  auf: ÔÇ×Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein worden“.  Aus einem unbeachteten Abraum wird das Fundament, auf dem das Heil der Welt ruht.

Wenn wir das Altarbild von der Seite betrachten, bemerken wir, dass die umgebenden Fl├Ąchen, die als Bildhintergrund aufgefasst werden, in Wahrheit den Bildvordergrund bilden, denn die Christusfigur tritt dahinter zur├╝ck.  Es ist, als vers├Ąnke er in einen Graben, oder besser: ins Grab.

Bei Johannes hei├čt es: ÔÇ×Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde f├Ąllt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh.12, 24)

Also k├Ânnen wir diesen Wechsel der Ebenen auch ganz anders sehen: dargestellt ist nicht das Versinken in das Grab, sondern sein Gegenteil. Die Erde tut sich auf, und heraus bricht der Tod├╝berwinder. Aus der Armhaltung, die wir als Hinweis auf Tortur und Folter angesehen hatten, werden die nun emporgerissenen Arme des Siegers, und die Flammen seiner Strahlenkrone weisen auf die ├ťberwindung von  H├Âlle und Tod, die Befreiung von S├╝nde und Angst und sie geben uns die Gewissheit, dereinst in Seinem Glanz zu sein.

 

3. Ein Bild der Trinit├Ąt

Trinitaet-1Warum hat der K├╝nstler die den Christus einrahmenden Fl├Ąchen unterschiedlich gestaltet? Strahlenkrone oder Heiligenschein, die den Kopf umgeben, sind uns aus traditionellen Darstellungen bekannt. Sie erh├Âhen die Bedeutung des Dargestellten. Aber was stellen die beiden anderen Fl├Ąchen dar?

Die Fl├Ąche links unten ist horizontal strukturiert. Ist hier ein gepfl├╝gter und geeggter Acker gemeint oder vielleicht auch ein vom Wind gerippter Sandboden? Trinitaet-2Ich sehe hier eine Darstellung von Erdreich, wie ich im rechten Feld – mit der diagonalen Struktur von links oben nach rechts unten - den vom Wind abgelenkten Regen dargestellt sehe, ein Zeichen f├╝r das Element Wasser.   Wenn man akzeptiert, dass in den drei hier gew├Ąhlten speziellen Darstellungen der Elemente Feuer, Wasser und Erde das fehlende vierte Element, die Luft mit ihrem Wehen, auch gleichzeitig mit dargestellt ist, so haben wir hier zeichenhaft ein Bild f├╝r die  Welt, die nach uralten Vorstellungen aus diesen vier Elementen  besteht - die Welt, die zu erl├Âsen Gott seinen Sohn dahingegeben hat.

Trinitaet-3Genauso schl├╝ssig erscheint mir aber auch, hier eine Darstellung der Trinit├Ąt zu sehen. Gott Vater, der Licht werden lie├č, ist von jeher mit dem Lichte gleichgesetzt worden (der Herr ist mein Licht und mein Heil, Ps. 27,1).

Dem sterblichen Gottessohn ist die Erdscholle zuzuordnen, da er unter den aus Erde erschaffenen Menschen gelebt hat (…bis dass du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden. 1.Mos.3,19,  …also wird des Menschen Sohn drei Tage und drei N├Ąchte mitten in der Erde sein. Mt  12,40, )

Der Heilige Geist wurde neben dem Feuer und dem Wind immer auch mit dem Wasser assoziiert und im Wasser der Taufe erscheint er uns gegenw├Ąrtig (Jesus sagt zu Nikodemus: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich kommen. Joh.3,5). So liegt es nahe, ihn auch hier im Bild des Regens zu erkennen, in dem Wasser und Wind zusammen dargestellt sind.

Weitere Hinweise auf den Heiligen Geist sehe ich neben dem Altarrelief unserer Kirche auch in der Gestaltung der Altarwand. Die offenen Sto├čfugen der wei├čgestrichenen Backsteinwand werden nach oben hin enger, so dass der Eindruck entsteht, als regne es vom Scheitel des Gew├Âlbes herab.

Auch die Kathedralglasfenster zwischen den Streben des Gew├Âlbes weisen mit ihren blauen und roten B├Ąndern, die als das Wasser der Taufe und das Feuer des Geistes angesehen werden, auf den heiligen Geist hin (Pfingsten).

So finden wir Ankn├╝pfungsm├Âglichkeiten f├╝r alle Zeiten des Kirchenjahres.

J├╝rgen Wulf

 

 

Ragna Sperschneider

Abendmahlgeschirr-K├╝nstleri

Das Museum f├╝r Kunst und Gewerbe in Hamburg und die Kunstvereine von Halle und Coburg widmen der Email-K├╝nstlerin Ragna Sperschneider (1928-2003) eine Ausstellung, die an ihr Wirken erinnern soll. Unsere Kirchengemeinde ist an dieser Ausstellung mit einer Leihgabe beteiligt.

Abendmahlsger├Ąte

Die vielfach ausgezeichnete K├╝nstlerin hat 1960, zur Einweihung der Erl├Âserkirche, Abendmahlsger├Ąte geschaffen, die den Farmsener Gottesdienstbesuchern sicherlich bekannt sein werden. Es handelt sich um ein Ensemble aus Kanne, Kelch, Hostiendose und Patene. Die silbernen Ger├Ąte sind geschm├╝ckt mit blauem Grubenschmelz und zeigen die Meisterschaft dieser K├╝nstlerin in Formgebung und Farbgestaltung in besonderer Weise.

Die in der Ausstellung gezeigten weiteren liturgischen Ger├Ąte mehrerer Kirchen aus dem Nordosten Hamburgs weisen auf ihre enge Verbundenheit mit unserer Stadt hin.

Die Ausstellung war bis zum 4. Januar in Hamburg zu sehen und wird zur Zeit im Stadtmuseum Halle gezeigt.

J├╝rgen Wulf